DIE SIEBEN ZAUBERGABEN – Die Sehnsucht
2. Kapitel
Die Sehnsucht
So zogen die Jahre ins Land.
Beinahe unbemerkt wuchs in den Frauen eine leise Sehnsucht nach Licht und Wärme.
Bald vermochten auch die gemeinsamen Stunden auf der Lichtung diese nicht mehr zu stillen.
Die Dunkelheit, in der sie lebten, und die Kälte des Waldes lasteten mehr und mehr auf ihnen.
Schließlich fand die Sehnsucht einen Weg in ihre verschlossenen Herzen, und sie fassten den Entschluss, gemeinsam aufzubrechen, um wieder einen hellen Lebensort für sich und ihre Familien zu finden.
Zwei Wölfe tobten in der Brust jener, die ihre Familien zurücklassen mussten.
Doch tief in ihnen regte sich eine Urahnung, die ihnen zuflüsterte, diesen Weg allein gehen zu müssen.
Als die Männer davon erfuhren, waren sie bestürzt und ohne Worte.
Nach einer Weile durchbrach jedoch einer das Schweigen, wandte sich seiner Frau zu und sprach mit zärtlicher und doch fester Stimme, wie sie es schon lange nicht mehr bei ihm gehört hatte:
„Es muss wohl so sein, dass ich auf dieser Reise nicht an deiner Seite bleiben kann. Ich werde unser Feuer bis zu deiner Wiederkehr bewahren.“
Sprach’s, nahm seine Frau in den Arm und gab ihr seinen Segen.
Die anderen Väter taten es ihm gleich.
Die Mütter herzten ihre Kinder und gaben ihnen die Zuversicht, dass alles ein gutes Ende nehmen würde.
Es war eine sternenklare Nacht, und noch einmal kamen die fünf Frauen auf ihrer Lichtung zusammen.
Das Feuer brannte.
Sie blickten schweigend in den glitzernden Himmel, in Gedanken nahe bei ihren toten Kindern und bei ihrem bevorstehenden Aufbruch ins Ungewisse.


