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DIE SIEBEN ZAUBERGABEN – Die Sehnsucht

2. Kapitel

Die Sehnsucht

So zogen die Jahre ins Land.

Beinahe unbemerkt wuchs in den Frauen eine leise Sehnsucht nach Licht und Wärme.

Bald vermochten auch die gemeinsamen Stunden auf der Lichtung diese nicht mehr zu stillen.

Die Dunkelheit, in der sie lebten, und die Kälte des Waldes lasteten mehr und mehr auf ihnen.

Schließlich fand die Sehnsucht einen Weg in ihre verschlossenen Herzen, und sie fassten den Entschluss, gemeinsam aufzubrechen, um wieder einen hellen Lebensort für sich und ihre Familien zu finden.

Zwei Wölfe tobten in der Brust jener, die ihre Familien zurücklassen mussten.

Doch tief in ihnen regte sich eine Urahnung, die ihnen zuflüsterte, diesen Weg allein gehen zu müssen.

Als die Männer davon erfuhren, waren sie bestürzt und ohne Worte.

Nach einer Weile durchbrach jedoch einer das Schweigen, wandte sich seiner Frau zu und sprach mit zärtlicher und doch fester Stimme, wie sie es schon lange nicht mehr bei ihm gehört hatte:

„Es muss wohl so sein, dass ich auf dieser Reise nicht an deiner Seite bleiben kann. Ich werde unser Feuer bis zu deiner Wiederkehr bewahren.“

Sprach’s, nahm seine Frau in den Arm und gab ihr seinen Segen.

Die anderen Väter taten es ihm gleich.

Die Mütter herzten ihre Kinder und gaben ihnen die Zuversicht, dass alles ein gutes Ende nehmen würde.

Es war eine sternenklare Nacht, und noch einmal kamen die fünf Frauen auf ihrer Lichtung zusammen.

Das Feuer brannte.

Sie blickten schweigend in den glitzernden Himmel, in Gedanken nahe bei ihren toten Kindern und bei ihrem bevorstehenden Aufbruch ins Ungewisse.

 

DIE SIEBEN ZAUBERGABEN – Die Dunkelheit

Ein Märchen von Tod, Aufbruch und der Suche nach einem Weg, „Trotz-dem JA zum
Leben“ zu sagen

AutorInnen: Gabi Becker, Karin Guse, Anke Green, Hildegard Kreutzer, Sabine Richter, Max
Becker

Text: Copyright © 2021 Gabriela Becker, Augsburg, alle Rechte vorbehalten

1. Kapitel

Die Dunkelheit

Es war einmal eine Frau, über deren Familie großes Leid kam.

Ihr Kind starb.

Da wurde es dunkel um sie.

Sie zog mit ihrer Familie fort. Weit fort von den Menschen. Tief hinein in einen Wald, in dem die Bäume so dicht standen, dass kaum ein Sonnenstrahl bis zur Erde drang.

Bis sie in einer Höhle Unterschlupf fanden.

Dort blieben sie.

Die Frau suchte Beeren und Wurzeln. Der Mann schlug Holz, bewahrte das Feuer und vertrieb des Nachts die hungrigen Wölfe.

Die Kinder sammelten Reisig.

Manches Ästchen kratzte und stach in ihre Hände.

Wenn der Regen fiel, sprangen sie in die Pfützen.

Plitsch. Platsch.

Dann flog ihr Lachen durch den dunklen Wald.

In der Höhle wurde wenig gesprochen.

Ein Jahr verging.

Und noch eines.

Und wieder eines.

Bald wusste niemand mehr, wie lange sie dort schon lebten.

Die Frau vergaß beinahe, wie sich die Sonne auf ihrem Gesicht anfühlte.

Beinahe.

Eines Nachts saß sie vor der Höhle und weinte.

Da trug der Wind einen Laut zu ihr.

Sie lauschte.

Still war’s.

Dann kam der Laut wieder.

Ein Weinen.

Fern und leise.

Da fasste sie sich ein Herz und folgte ihm.

Über Stock und Stein.

Durch Dornen und Gestrüpp.

Immer dem Weinen nach.

Bis sich die Bäume vor ihr öffneten.

Vor ihr lag eine kleine Lichtung.

Dort saß eine Frau und weinte.

Die beiden sahen einander an.

Die eine kannte die Tränen der anderen.

Da umarmten sie sich.

Und für einen Augenblick war die Nacht nicht mehr ganz so kalt.

Als der Morgen kam, ging jede zurück zu ihrer Höhle.

Doch sie kamen wieder.

Und eines Nachts entzündeten sie auf der Lichtung ein Feuer.

Von da an brannte es, wenn sie beieinandersaßen.

Sie erzählten von ihren Kindern.

Sie nannten ihre Namen.

Sie weinten.

Und wenn die Worte fehlten, schwiegen sie.

Gemeinsam.

Eines Nachts kam eine dritte Frau.

Dann eine vierte.

Und schließlich kam eine fünfte des Weges.

So fanden sie einander mitten im großen Wald.

Hoch über ihnen bewegten sich die Äste.

Manchmal fiel ein Sonnenstrahl auf die Lichtung.

Die Jahre zogen ins Land.

Und dort, wo die Frauen immer wieder gegangen waren, wuchs kein Dickicht mehr.

Zwischen den Höhlen und der Lichtung war ein schmaler Pfad entstanden.

Noch ahnte keine von ihnen, wohin ihr Weg sie eines Tages führen sollte.

„Trotz-dem Leben“

„Noch bevor die Worte „NIE MEHR“ nach dem Tod meines Sohnes Herz und Verstand erreichten, war mir klar, dass mich diese Apokalypse nicht in die Knie zwingen würde. Nur „WIE“ blieb lange Zeit ein großes Mysterium. Stolpern, straucheln, hinfallen, blutend und gekrümmt am Boden liegen, aber: ich atmete weiter – ohne etwas dazu beitragen zu müssen…. Es atmete mich also! Vermutlich weil es einfach der Fluss des Lebens ist zu überleben – meistens. Wie eben auch in unserem Märchen beschrieben.“ (Gabi Becker)

 

Innere Mitte

„In die innere Mitte zu kommen ist eine Kunst,

sich wichtig zu nehmen,

ohne sich wichtig zu nehmen,

ist die Kunst,

sich selbst in die Mitte zu stellen,

ohne diesenPlatz zu besetzen,

offen zu bleiben für alles

was ist“

(Benno Blues)

NEU · 2. KAPITEL

DIE SIEBEN ZAUBERGABEN – Die Sehnsucht

So zogen die Jahre ins Land. Beinahe unbemerkt wuchs in den Frauen eine leise Sehnsucht nach Licht und Wärme …

Wenn du nicht da bist….

„Wenn du nicht da bist verschwindet die Farbe aus dem Leben wie das Wasser aus einem Schwamm und ich existiere nur …

Mach dich auf den Weg

„Mach dich auf den Weg und suche das Licht, das tief in deiner Seele unter vielen Traurigkeiten fast verloschen ist. …