Über mich

Ein Wendepunkt für unsere ganze Familie

Das Jahr 2000 war ein Wendepunkt für unsere ganze Familie. Ich zog mit meinen drei Kindern nach Deutschland, heiratete, mein viertes Kind wurde geboren – und drei Wochen später starb mein elfjähriger Sohn ganz plötzlich an einem Herztod.

Von einem Augenblick auf den anderen war nichts mehr, wie es vorher gewesen war.

In der ersten Zeit ging es für uns alle vor allem darum, irgendwie durch die Tage zu kommen. Und schon damals zeigte sich etwas, das ich erst viel später wirklich verstehen und einordnen konnte: Obwohl derselbe Mensch gestorben war, trauerten wir völlig unterschiedlich.

Trauer verläuft nicht geradlinig

Jeder von uns hatte seine ganz eigene Beziehung zu ihm und ging auf seine Weise mit seinem Tod um.

Besonders eindrücklich erlebte ich das bei meinen Kindern. Ihre Trauer war häufig anders als die der Erwachsenen. Was mich damals manchmal irritierte, kann ich heute fachlich einordnen: Kinder erleben und verstehen Tod und Trauer entsprechend ihrem jeweiligen Entwicklungsstand. Ihr Verständnis von Endgültigkeit, Universalität und den Folgen des Todes entwickelt sich erst nach und nach.

Pfützenspringen – kindliche Selbstregulation in der Trauer

In der Trauerbegleitung wird dafür häufig das Bild des „Pfützenspringens“ verwendet: Kinder können in einem Moment so tief in ihre Trauer eintauchen, dass die Wucht ihrer Gefühle fast nicht auszuhalten scheint – und im nächsten Moment wieder aus dieser „Trauerpfütze“ herausspringen und sich etwas völlig anderem zuwenden. Dieser Wechsel ist eine wichtige Form kindlicher Selbstregulation.

„… Überleben ist nicht alles, ist wenig …“ (Ulrich Schaffer)

Auf der Suche nach Antworten

Nach der ersten Zeit des Überlebens begann ich mich intensiv mit Trauer auseinanderzusetzen. Ich wollte verstehen, warum wir innerhalb unserer Familie so unterschiedlich trauerten und warum das, was sich für den einen gut und richtig anfühlte, für den anderen überhaupt nicht passen musste.

Und mir wurde zunehmend klar, dass es für uns nicht darum gehen konnte, den Tod unseres Sohnes und Bruders möglichst schnell zu „verarbeiten“, damit unser Leben wieder so funktionierte wie davor.

Denn es würde nie wieder so sein wie davor…

„Der Tod verändert die Landschaft unseres Lebensweges. Was war, bleibt – und fügt sich doch immer wieder auf neue Weise zusammen.“ (Gabi Becker)

Es ging vielmehr darum, als Familie und zugleich jeder für sich einen Weg zu finden, mit diesem Tod zu leben – und irgendwann Trotz-dem Ja zum Leben sagen zu können.

Und auf diesem Weg musste nicht jeder Versuch gelingen.

Es konnte Stillstand geben und Rückschritte, eine falsche Abbiegung, eine Sackgasse oder auch das Gefühl, wieder ganz am Anfang zu stehen.

Manchmal bedeutete es auch, am Boden zu liegen – so lange, bis der eigene Impuls kam, wieder aufzustehen.

Und manchmal brauchte es Ermutigung – die eigene und die von Menschen, die ein Stück dieses Weges mitgingen.

Mehr als unsere Trauer

Gleichzeitig wurde mir etwas anderes immer wichtiger: Wir alle sind mehr als trauernde Menschen.

Wir waren von diesem Tod tief getroffen. Und trotzdem waren da weiterhin unsere ganz unterschiedlichen Bedürfnisse, Interessen, Beziehungen, Fähigkeiten, Freude, Humor und Wünsche.

„Trauer gehört zu einem Menschen, aber sie ist niemals der ganze Mensch.“ (Gabi Becker)

Diesen Blick möchte ich auch heute in meiner Arbeit stärken: den Menschen nicht auf seine Trauer zu reduzieren, sondern auch wahrzunehmen und zu ermutigen, was neben ihr da ist und zum eigenen Leben gehört.

Und die Frage nach dem Sinn?

Wir Menschen neigen dazu, gerade dem Schweren, Schmerzhaften und Unbegreiflichen im Nachhinein einen Sinn geben zu wollen. Vielleicht auch, weil Sinn etwas Halt geben kann, wo etwas geschehen ist, das sich nicht erklären und nicht rückgängig machen lässt.

Der Tod meines Sohnes hat für mich bis heute keinen Sinn.

Mein beruflicher Weg

Ausbildungen, berufliche Stationen und Erfahrungen aus vielen Jahren Trauerbegleitung, Fachberatung, Konzeptentwicklung und Lehre.

→ Zu meiner Vita

DIE SIEBEN ZAUBERGABEN

Ein Märchen von Tod, Aufbruch und der Suche nach einem Weg, „Trotz-dem JA zum Leben“ zu sagen AutorInnen: Gabi Becker, …

Wenn du nicht da bist….

„Wenn du nicht da bist verschwindet die Farbe aus dem Leben wie das Wasser aus einem Schwamm und ich existiere nur …

Mach dich auf den Weg

„Mach dich auf den Weg und suche das Licht, das tief in deiner Seele unter vielen Traurigkeiten fast verloschen ist. …